Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "EmpCo & Green Claims Directive"
#Wissen
Kommunikation & Marke

EmpCo & Green Claims Directive

Eine Chance für Unternehmen, die es ernst meinen

Infos zum Beitrag

Autor:in
Helena Hollekamp
Beitrag vom
12.12.2025
Aktualisiert am
23.01.2026
Lesedauer ungefähr
Minuten
Beitrag teilen

„Die EmpCo belohnt die Unternehmen, die es ernst meinen und den Wandel aktiv gestalten.“

Die EU hat mit der Empowering Consumers for the Green Transition Directive (EmpCo) und der Green Claims Directive (GCD) zwei Regelwerke gegen Greenwashing formuliert. Obwohl die GCD seit Jahren im Rampenlicht steht, ist die EmpCo aktuell relevanter für Unternehmen: Sie wurde im Gegensatz zur GCD bereits auf EU-Ebene verabschiedet und gilt ab September 2026. Für Unternehmen bedeutet das: Transparenz schaffen, Nachweise liefern und die Chance nutzen, sich glaubwürdig zu positionieren.

Was ist die EmpCo?

Die EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825) wurde im März 2024 verabschiedet und muss bis zum 27.03.2026 von den Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Der deutsche Bundestag hat den Gesetzesentwurf am 19.12.2025 beschlossen, wodurch Anpassungen im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) vorgenommen werden. Dies umfasst Konkretisierungen in § 5 UWG und § 3 UWG, um irreführende Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen zu verhindern.

Die EmpCo gilt branchenübergreifend für alle Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen in der EU vertreiben, und verpflichtet sie, ihre Nachhaltigkeitskommunikation auf belastbare Fakten zu stützen. Die Richtlinie unterscheidet nicht zwischen B2B- und B2C-Unternehmen. Sobald eine Aussage in die Endkundenkommunikation einfließt, fällt sie unter die EmpCo.

Die Kernpunkte der EmpCo:

  • Verbot pauschaler Aussagen und vager Begriffe wie bspw. „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“, wenn keine klaren Nachweise vorliegen
  • Eigene, nicht zertifizierte Umweltsiegel sind künftig unzulässig
  • Zukunftsaussagen müssen durch einen Umsetzungsplan mit Zwischenzielen und öffentlich einsehbaren Verpflichtungen untermauert werden
  • Erweiterung des Verbraucherschutz um wesentliche Produktmerkmale wie Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit

Ziel der EmpCo:
Ein zentrales Ziel der EmpCo ist es, Verbraucher:innen zu stärken und Greenwashing zu verhindern. Denn: „Verbraucher müssen in der Lage sein, informierte Kaufentscheidungen zu treffen und so zu einem nachhaltigeren Konsumverhalten beizutragen“, formuliert die EU und verweist auf Studien der Kommission, die zeigen, dass der Großteil umweltbezogener Aussagen vage, irreführend oder nicht belegbar ist. Der dadurch entstehende Vertrauensverlust bei den Verbrauchenden erschwert den Wandel, da echte nachhaltige Innovationen schwerer erkennbar werden.

Was ist der Unterschied zwischen EmpCo und Green Claims Directive?

Die GCD ergänzt die EmpCo durch technische Anforderungen an die Begründung und Überprüfbarkeit von Umweltaussagen. Sie wurde jedoch im Juni 2025 aufgrund zu strenger Vorgaben vorerst gestoppt. Unter anderem sah sie eine ex-ante Prüfung vor. Das heißt, jede Umweltaussage hätte vor Veröffentlichung durch externe Gutachter validiert werden müssen. Ob und wann die GCD zurück auf die Agenda kommt, ist derzeit unklar.

Gemeinsames Ziel beider Richtlinien:

  • Schutz der Verbraucher:innen vor irreführender Kommunikation
  • Verhindern von Greenwashing
  • Stärkung von Transparenz und Vertrauen in Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen sowie in Siegel

Was Unternehmen jetzt tun können

  1. Bestehende Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen systematisch prüfen: Claims, Bilder, grafische Elemente und Symbole, die Nachhaltigkeit suggerieren müssen auf Zulässigkeit und Belegbarkeit geprüft werden.
  2. Nachweise sichern, dokumentieren und kommunikativ ergänzen: Dazu gehören auch neue Pflichtangaben zu Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit von Produkten.
  3. Prozesse definieren: Sensibilisierung sowie klar definierte Freigabeprozesse zwischen Rechts-, Marketing- und Nachhaltigkeitsabteilungen werden zunehmend unverzichtbar.
  4. In anerkannte Zertifizierungen investieren: Unabhängige Zertifizierungen stärken die eigene Glaubwürdigkeit und helfen, die erforderlichen Nachweise strukturiert und prüfbar zu hinterlegen.

Mit der EmpCo steigen die Anforderungen an Daten und Methoden. Unternehmen können diese Daten nutzen, um Produkte und Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Außerdem dient die geforderte Datenqualität und Transparenz als optimale Grundlage für (Produkt-) Kommunikation.

Vorteile:

  • Differenzierung gegenüber unlautere Behauptungen des Wettbewerbs
  • Stärkung der Reputation und Aufbau von Vertrauen
  • Beitrag zu fairen Wettbewerbsbedingungen und nachhaltigem Wandel

Zum Fazit
zusammengefasst

Mit der EmpCo geht die EU einen wichtigen Schritt gegen Greenwashing und stärkt evidenzbasierte Nachhaltigkeitskommunikation. Eindeutige und überprüfbare Aussagen sind nicht nur eine Frage der Compliance, sondern vielmehr entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und das Vertrauen der Endverbraucher:innen. Unternehmen mit ernsthaftem Nachhaltigkeitsengagement und transparenten Prozessen profitieren, denn konforme Kommunikation belohnt diejenigen, die echten Fortschritt vorweisen können.

Sie suchen einen pragmatischen Einstieg in die Nachhaltige Kommunikation?

Wir begleiten Sie mit passgenauen Leistungen in unterschiedlichen Formaten, um zukünftig konform und authentisch zu kommunizieren. Wir holen Sie dort ab, wo Sie stehen und passen Trainings und Ausarbeitung an Ihre Branche an. Dabei betrachten wir nachhaltige Kommunikation ganzheitlich durch die Fachexpertise im Bereich Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie sowie Kommunikation.

Weitere Beiträge

Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Green Claims: Von der Pflicht zur Möglichkeit"
#Wissen

Green Claims: Von der Pflicht zur Möglichkeit  

Green Claims sind mehr als eine regulatorische Pflicht. Richtig eingesetzt können sie zum strategischen Instrument für Markenführung, Vertrauen und Differenzierung werden. Warum glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation heute über Marktpositionierung entscheidet, zeigt dieser Beitrag.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Bild von Christina Schäferkord während eines Vortrags.
#Interview

5 Fragen an… Christina Schäferkord zum Thema EmpCo

Im Rahmen unseres Fokusmonats „Green Claims im neuen Rechtsrahmen – Compliance erfüllen, Marke schärfen“ sprechen wir mit Christina Schäferkord. Im Interview erklärt sie, warum die EmpCo-Richtlinie die Spielregeln der Nachhaltigkeitskommunikation verändert – und was jetzt entscheidend ist.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Greenwashing erkennen und vermeiden"
#Wissen

Greenwashing erkennen und vermeiden

Unternehmen stehen unter Druck, ihre Nachhaltigkeitsleistung transparent zu zeigen – ohne rechtliche Risiken einzugehen. Welche Fehler besonders häufig sind und wie Sie diese vermeiden, lesen Sie in unserem aktuellen Beitrag.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsstrategie
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "PPWR - Das neue Verpackungsgesetz kommt"
#Wissen

PPWR – Das neue Verpackungsrecht kommt  

Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) bringt verbindliche Vorgaben zu Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz und Mehrwegquoten. Ab August 2026 entsteht konkreter Handlungsbedarf für Hersteller, Erzeuger und Lieferanten. Welche Anforderungen gelten und wie Unternehmen sich jetzt strategisch aufstellen sollten, erfahren Sie im Beitrag.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsstrategie
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Checkliste: Durchführung einer Klimarisikoanalyse"
#Wissen

Checkliste: Durchführung einer Klimarisikoanalyse

Möchten Sie die Klimarisikoanalyse Ihres Unternehmen vorbereiten? Unsere praxisnahe Checkliste unterstützt Sie dabei, zentrale Grundlagen zu strukturieren – von Verantwortlichkeiten über die Auswahl relevanter Klimaszenarien bis hin zur Einordnung der Ergebnisse.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsstrategie
Bild von Sibylle Zavala während eines Vortrags.
#Interview

4 Fragen an… Sibylle Zavala zum Thema Klimarisikoanalyse

Im Rahmen unseres Fokusmonats „Chancen durch Klimarisikoanalyse“ haben wir mit Sibylle Zavala gesprochen. Im Interview erklärt sie, worauf es bei der Klimarisikoanalyse ankommt, welche Herausforderungen Unternehmen dabei begegnen und wie sich Chancen und Risiken auch strategisch nutzen lassen.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsstrategie
#Impuls

The most painful state of being is remembering the future…

– S. Kierkegaard
Nachhaltigkeitsstrategie
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Wie Unternehmen ihre Klimarisiken analysieren und Resilienzen bewerten können"
#Wissen

Wie Unternehmen ihre Klimarisiken analysieren und Resilienzen bewerten können

Wer die TCFD-Methodik versteht und anwendet, kann Klimarisiken frühzeitig erkennen, regulatorische Anforderungen erfüllen und strategische Entscheidungen auf einer belastbaren Datenbasis treffen. Der Blog zeigt, wie das konkret gelingt – Schritt für Schritt von der Szenarioanalyse bis zur Resilienzbewertung.
Weiterlesen
Klimastrategie & Bilanzierung
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel zu ETS II
#Wissen

ETS II: Verschiebung auf 2028?

Der Start des europäischen Emissionshandelssystems ETS II wird wohl auf 2028 verschoben. Doch die CO₂-Bepreisung bleibt ein zentraler Hebel der Klimapolitik. Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland und welche Schritte sind jetzt sinnvoll? Unser Blogbeitrag fasst die aktuelle Lage zusammen und zeigt, wie Sie strategisch vorbereitet bleiben.
Weiterlesen