Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Wie Unternehmen ihre Klimarisiken analysieren und Resilienzen bewerten können"
#Wissen
Nachhaltigkeitsstrategie

Wie Unternehmen ihre Klimarisiken analysieren und Resilienzen bewerten können

Einführung in die Methodik der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD)

Infos zum Beitrag

Autor:in
Anja Breyer, Julia Jahn
Beitrag vom
10.11.2025
Aktualisiert am
10.11.2025
Lesedauer ungefähr
Minuten
Beitrag teilen

Neue Dynamik in der Regulierung

Die Diskussion um die Offenlegung klimabezogener Risiken bleibt in Bewegung: Nachdem die Europäische Kommission die jüngsten Änderungsvorschläge zu den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) im Oktober 2025 abgelehnt hat, geht der Entwurf nun erneut in eine einmonatige Review-Phase.

Aktuelle Informationen zu den Änderungsvorschlägen finden Sie hier:
Blog: EU-Omnibus-Vorschlag

Unabhängig vom finalen Wortlaut der europäischen Vorgaben steht fest: Die Offenlegung von Klimarisiken wird künftig ein zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsberichterstattung sein.
Dabei orientieren sich die europäischen Standards und internationalen Rahmenwerke an der Methodik der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD). Sie gilt weltweit als Referenzrahmen für die Identifizierung, Bewertung und Berichterstattung klimabezogener Chancen und Risiken.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer die TCFD-Methodik versteht und anwendet, kann Klimarisiken frühzeitig erkennen, regulatorische Anforderungen erfüllen und strategische Entscheidungen auf einer belastbaren Datenbasis treffen. Der Blog zeigt, wie das konkret gelingt – Schritt für Schritt von der Szenarioanalyse bis zur Resilienzbewertung.

Die TCFD als Fundament der Klimarisikoanalyse

Die TCFD wurde 2017 vom Financial Stability Board ins Leben gerufen, um Unternehmen und Investoren einheitliche Leitlinien zur Bewertung klimabedingter Risiken zu bieten. Ihr Ziel: finanzielle Stabilität durch Transparenz über Klimarisiken.

Diese Struktur ermöglicht es Unternehmen, physische und transitorische Risiken nachvollziehbar zu erfassen und Szenarioanalysen durchzuführen – der methodische Kern jeder Klimarisikoanalyse.

Die Methodik sieht eine systematische Offenlegung entlang von vier Kernbereichen vor:

Step 1

Governance: Wie ist die Verantwortung für Klimarisiken in der Unternehmensführung verankert?

Step 2

Strategie: Welche kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen haben Klimarisiken auf Geschäftsmodell und Strategie?

Step 3

Risikomanagement: Wie werden klimabezogene Risiken identifiziert, bewertet und gesteuert?

Step 4

Kennzahlen & Ziele: Welche quantitativen Daten und Zielgrößen nutzt das Unternehmen, um Fortschritte zu messen?

Erster Schritt der TCFD-Methodik: Szenarioanalyse

In der Szenarioanalyse werden physische und transitorische Risiken bewertet:

  • Physische Risiken resultieren direkt aus den Folgen des Klimawandels – sowohl akut (z. B. Extremwetterereignisse) als auch chronisch (z. B. langfristige Temperatur- und Niederschlagsveränderungen).
  • Transitorische Risiken entstehen durch den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft – etwa durch regulatorische Änderungen, technologische Entwicklungen, Marktveränderungen oder Reputationsrisiken.

Mithilfe von Szenarioanalysen werden verschiedene Zukunftsszenarien simuliert, z. B. eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2 °C (RCP 2.6) oder ein starker Anstief der globalen Durchschnittstemperaturen (RCP 8.5). So lässt sich einschätzen, wie wahrscheinlich der Eintritt bestimmter Risiken ist und wo die größten Schadenspotenziale liegen.

Zweiter Schritt der TCFD-Methodik: Resilienzbewertung

Eine Resilienzbewertung zeigt auf, wie widerstandsfähig eine Unternehmensstrategie oder ein Standort gegenüber Klimarisiken ist.

Hierbei werden u. a. betrachtet:

  • Auswirkungen potenzieller Risiken auf Strategie, Geschäftsmodell und Wertschöpfungskette
  • Unsicherheiten in der Resilienzbewertung, z. B. CO₂-Preise, technologische Entwicklungen, Eintrittswahrscheinlichkeit, Intensität von Extremwetterereignissen, Datenlücken in globalen Lieferketten
  • Anpassungsfähigkeit des Unternehmens durch Investitionen, Innovationen und strukturelle Veränderungen

Ziel ist es, aufzuzeigen, wie robust das Geschäftsmodell unter verschiedenen Klimaszenarien bleibt und welche (weiteren) Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz erforderlich sind.

Ihr wirtschaftlicher Nutzen durch eine systematische Klimarisikoanalyse

Eine strukturierte Klimarisikoanalyse ist weit mehr als ein Kernbestandteil einzelner regulatorischer Pflichten wie der CSRD oder der EU-Taxonomie. Sie ist ein strategisches Steuerungsinstrument, das Unternehmen hilft, Risiken zu managen und Chancen zu nutzen:

  • Frühe Erkennung von Kostenpotenzialen: Physische Schäden, Anpassungskosten, Produktionsausfälle und regulatorische Abgaben können besser kalkuliert werden
  • Effiziente Ressourcennutzung: Investitionen fließen gezielt in Anpassungsmaßnahmen mit größtem Nutzen
  • Finanzielle Planungssicherheit: Risiken lassen sich in Budgets und Rückstellungen einplanen, unerwartete Kosten werden minimiert
  • Vertrauensvorsprung: Transparente Berichterstattung stärkt Reputation und Kapitalmarktzugang
  • Lieferkettenresilienz: Unternehmen, die Klimarisiken aktiv managen, bauen langfristig Resilienz in ihrer Lieferkette auf.

Kurz gesagt: Sie schafft die Grundlage, um klimabedingte Kosten frühzeitig zu erkennen, deren Auswirkungen aktiv zu steuern und nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Zum Fazit
zusammengefasst

Die TCFD bildet die Grundlage der europäischen Anforderungen an Klimarisikoanalysen.
Unternehmen, die ihre Klimarisiken nach dieser Methodik analysieren und ihre Resilienz bewerten, schaffen damit nicht nur die Basis für künftige Berichtspflichten – unabhängig davon, wann die überarbeiteten ESRS endgültig verabschiedet werden. Sie investieren zugleich in Widerstandsfähigkeit, Transparenz und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Sie möchten Ihr Risikomanagement um die Klimarisikoanalyse erweitern?

Wir begleiten Sie dabei, klimabezogene Risiken systematisch zu identifizieren und zu bewerten. Gemeinsam gehen wir komplexe Anforderungen praxisorientiert an und gestalten den Prozess passgenau für Ihr Unternehmen – ob für einzelne Standorte, ausgewählte Lieferketten oder das gesamte Geschäftsmodell. Auf Wunsch bieten wir zudem Sparring und methodische Unterstützung, um interne Prozesse gezielt weiterzuentwickeln.

Zur Klimarisikoanalyse

Weitere Beiträge

Nachhaltigkeitsberichterstattung
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Der neue VS-Standard"
#Wissen

Der neue VS-Standard

Der neue VS-Standard soll künftig Orientierung schaffen und Datenanfragen von Kunden, Banken und Geschäftspartnern besser strukturieren. Erfahren Sie, was sich gegenüber dem VSME ändert und warum Unternehmen sich jetzt mit dem neuen Standard beschäftigen sollten.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsberichterstattung
#Download

Entscheidungsguide: Welcher Nachhaltigkeitsbericht passt zu uns?

Welches Nachhaltigkeitsberichtsformat passt wirklich zu Ihrem Unternehmen? Mit wenigen Fragen aus unserem Entscheidungsguide finden Sie heraus, welches Berichtsformat zu Ihrer Situation passt.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Warum freiwillige Berichterstattung überhaupt relevant ist"
#Wissen

Warum freiwillige Berichterstattung überhaupt relevant ist

Viele Unternehmen sind durch Omnibus nicht mehr direkt CSRD-pflichtig. Doch heißt das wirklich, dass Nachhaltigkeitsberichte an Bedeutung verlieren? Der Artikel zeigt, warum freiwilliges Reporting gerade jetzt Orientierung schafft – für Kundenanfragen, Banken, Ausschreibungen und bessere interne Entscheidungen.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "VSME auf einen Blick: Der einfache Einstieg ins Nachhaltigkeitsreporting"
#Download

VSME auf einen Blick: Der einfache Einstieg ins Reporting

Sie fragen sich, ob und wie Sie strukturiert in die Berichterstattung starten sollten? Unser kompakter VSME-Überblick liefert genau die Antworten: Was hinter dem Standard steckt und wie Sie davon profitieren. Plus: Wie wir Sie konkret bei der Umsetzung unterstützen.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Green Claims: Von der Pflicht zur Möglichkeit"
#Wissen

Green Claims: Von der Pflicht zur Möglichkeit  

Green Claims sind mehr als eine regulatorische Pflicht. Richtig eingesetzt können sie zum strategischen Instrument für Markenführung, Vertrauen und Differenzierung werden. Warum glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation heute über Marktpositionierung entscheidet, zeigt dieser Beitrag.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Bild von Christina Schäferkord während eines Vortrags.
#Interview

5 Fragen an… Christina Schäferkord zum Thema EmpCo

Im Rahmen unseres Fokusmonats „Green Claims im neuen Rechtsrahmen – Compliance erfüllen, Marke schärfen“ sprechen wir mit Christina Schäferkord. Im Interview erklärt sie, warum die EmpCo-Richtlinie die Spielregeln der Nachhaltigkeitskommunikation verändert – und was jetzt entscheidend ist.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Greenwashing erkennen und vermeiden"
#Wissen

Greenwashing erkennen und vermeiden

Unternehmen stehen unter Druck, ihre Nachhaltigkeitsleistung transparent zu zeigen – ohne rechtliche Risiken einzugehen. Welche Fehler besonders häufig sind und wie Sie diese vermeiden, lesen Sie in unserem aktuellen Beitrag.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsstrategie
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "PPWR - Das neue Verpackungsgesetz kommt"
#Wissen

PPWR – Das neue Verpackungsrecht kommt  

Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) bringt verbindliche Vorgaben zu Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz und Mehrwegquoten. Ab August 2026 entsteht konkreter Handlungsbedarf für Hersteller, Erzeuger und Lieferanten. Welche Anforderungen gelten und wie Unternehmen sich jetzt strategisch aufstellen sollten, erfahren Sie im Beitrag.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "EmpCo & Green Claims Directive"
#Wissen

EmpCo & Green Claims Directive

Durch die EmpCo gelten ab September 2026 strengere Vorgaben für die Kommunikation von Nachhaltigkeit, die Transparenz einfordern und Greenwashing konsequent einschränken. Erfahren Sie, was sich ändert, wie sich die EmpCo von der Green Claims Directive unterscheidet und warum Unternehmen, die es ernst meinen, jetzt die Chance haben, sich glaubwürdig zu positionieren.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsstrategie
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Checkliste: Durchführung einer Klimarisikoanalyse"
#Download

Checkliste: Durchführung einer Klimarisikoanalyse

Möchten Sie die Klimarisikoanalyse Ihres Unternehmen vorbereiten? Unsere praxisnahe Checkliste unterstützt Sie dabei, zentrale Grundlagen zu strukturieren – von Verantwortlichkeiten über die Auswahl relevanter Klimaszenarien bis hin zur Einordnung der Ergebnisse.
Weiterlesen