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Nachhaltigkeitsberichterstattung
Kommunikation & Marke

Muss der Nachhaltigkeitsbericht Green Claims/EmpCo konform sein?

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Autor:in
Helena Hollekamp
Beitrag vom
26.06.2026
Aktualisiert am
26.06.2026
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Nachhaltigkeitsberichterstattung und EmpCo: Ein gemeinsames Claim-Risiko

Mit der CSRD und dem ESRS-Standard steigen die Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichte. Gleichzeitig gelten mit der EmpCo-Richtlinie ab dem 27. September 2026 klare Vorgaben an Nachhaltigkeitsaussagen. Auf den ersten Blick betreffen CSRD und EmpCo unterschiedliche Bereiche, da die CSRD die Berichterstattung gegenüber Stakeholdern und Investoren regelt, während die EmpCo primär die B2C-Kommunikation adressiert und den Verbraucherschutz stärkt.

In der Praxis greifen beide Themen jedoch eng ineinander. Denn Aussagen aus Nachhaltigkeitsberichten werden häufig für Website, Vertrieb, Ausschreibungen, Präsentationen oder Marketing übernommen. Damit wird der Bericht zur Grundlage öffentlicher Nachhaltigkeitskommunikation – und genau hier entsteht ein neues Risiko.

Der Nachhaltigkeitsbericht als Nachweisdokument

Ein Nachhaltigkeitsbericht bündelt zentrale Informationen zur Umwelt, Sozialem, Governance, Zielen, Maßnahmen und Fortschritten. Was dort steht, gilt intern oft als abgestimmt und belastbar. Entsprechend werden Aussagen aus dem Bericht schnell in andere Kommunikationsformate übertragen. Der Bericht wird damit faktisch zu einem Nachweisdokument, das die Inhalte liefert, aus denen spätere Nachhaltigkeitsclaims entstehen.

Das ist einerseits hilfreich, weil dieser eine Reporting Struktur schafft und die Auskunftsfähigkeit des Unternehmens stärkt. Gleichzeitig kann eine Aussage, die im Bericht ausführlich erklärt wird, außerhalb dieses Kontexts missverständlich wirken.

Aus einer formal korrekten Beschreibung eines Klimazieles nach ESRS wird in der Kommunikation schnell: „Wir sind auf dem Weg zur Klimaneutralität.“ Die Formulierung kann unter der EmpCo allerdings problematisch sein, wenn die Roadmap fehlt und Klimaneutralität nicht ordentlich eingeordnet wird.

Formale Transparenz reicht nicht immer aus

Während Aussagen in der Berichterstattung durch das Offenlegen von Methodik, Annahmen und Datenquellen zulässig sind, bewertet die EmpCo jedoch stärker die Wirkung einer Aussage im jeweiligen Kontext.

Der Nachhaltigkeitsbericht bietet Raum für Einordnung. Eine Produktseite, ein Social-Media-Post oder eine Vertriebspräsentation tun das oft nicht. Dadurch kann dieselbe Aussage in einem Kontext zulässig und in einem anderen riskant sein.

Je allgemeiner eine Aussage formuliert ist, desto größer ist das Risiko, dass sie mehr verspricht, als das Unternehmen tatsächlich nachweisen kann.

Warum „EmpCo-Konformität des Berichts“ zu kurz greift

In der Praxis erleben wir aktuell häufig eine andere Herangehensweise. Unternehmen kommen mit der konkreten Anfrage: „Bitte prüfen Sie unseren Nachhaltigkeitsbericht auf EmpCo-Konformität.“ Der Wunsch ist verständlich, erfasst aber den Kern nicht.

Denn die EmpCo bewertet nicht den Bericht als Ganzes, sondern einzelne Aussagen, deren Wirkung und deren Kontext. Ein Bericht kann formal sauber aufgebaut sein, da er einem Standard folgt und dennoch Formulierungen enthalten, die außerhalb des Berichtskontexts missverständlich werden. Deshalb verschiebt sich der Fokus in der Beratung.

Statt bestehende Berichte im Nachhinein zu prüfen, geht es zunehmend darum, die zugrunde liegenden Aussagen systematisch zu hinterfragen:

  • Welche Aussagen treffen wir überhaupt und wo treten sie außerhalb des Berichts auf?
  • Welche dieser Aussagen sind tatsächlich belegbar?
  • Wo entstehen implizite Versprechen, die so nicht gemeint waren, aber so verstanden werden könnten?
  • Und wo fehlen klare Abgrenzungen, Zahlen oder Kontext, um eine Aussage einordnen zu können?

Nachhaltigkeitskommunikation wird präziser

Die EmpCo dürfte dazu führen, dass Unternehmen vorsichtiger formulieren. Das Nachhaltigkeitsnarrativ wird stärker hinterfragt, während Zahlen, Nachweise und klare Abgrenzungen wichtiger werden. Das muss kein Nachteil sein. Im Gegenteil: Präzisere Aussagen sind oft glaubwürdiger.

Statt „Wir handeln nachhaltig“ könnten Unternehmen konkreter kommunizieren:

  • „Wir haben unseren Stromverbrauch am Standort X seit 2021 um 18 % reduziert, indem wir eine PV-Anlage auf das Dach gebaut haben“
  • „Unsere Klimaziele beziehen sich zunächst auf Scope 1 und 2.“
  • „Für zentrale Lieferantengruppen führen wir jährliche ESG-Risikobewertungen durch.“

Solche Aussagen sind weniger werblich, aber belastbarer. Sie zeigen, was tatsächlich nachgewiesen werden kann.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Der Nachhaltigkeitsbericht wird weniger zu einem „zu prüfenden Dokument“, sondern zur Grundlage für eine breitere Frage: Wie auskunftsfähig ist unser Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit? Dies betrifft nicht nur das Marketing- oder Kommunikationsteam, sondern auch den Vertrieb, Ausschreibungen, Kundenanfragen und interne Abstimmungen.

Ein möglicher Umgang damit ist deshalb nicht mehr nur reaktiv, sondern strukturell:

  • Aussagen frühzeitig als „Claims“ mitdenken – nicht erst in der Kommunikation
  • Daten, Annahmen und Grenzen klar dokumentieren
  • Zentrale Aussagen bewusst definieren und priorisieren

Das verändert auch die Rolle von Nachhaltigkeitsberichten. Sie sind nicht mehr nur Dokumentation vergangener Aktivitäten, sondern werden zum Referenzrahmen für alle nachfolgenden Aussagen. Und damit zentral für die Frage, was ein Unternehmen glaubwürdig sagen kann – und was nicht.

Die EmpCo verschärft diese Entwicklung. Aber es macht vor allem eines sichtbar, was schon länger gilt: Nachhaltigkeitskommunikation beginnt nicht bei der Formulierung – sondern bei der Substanz dahinter. Und genau hier entsteht aus Reporting, Daten und Struktur letztlich das, worauf es ankommt: belastbare Aussagen, klare Entscheidungen und glaubwürdige Wirkung.

Zum Fazit
zusammengefasst

Die Frage ist also weniger, ob ein Nachhaltigkeitsbericht pauschal „EmpCo-konform“ ist. Entscheidend ist, welche Aussagen aus dem Bericht entstehen, in welchen Kontexten sie genutzt werden und ob sie dort klar, belegbar und richtig eingeordnet sind. Unternehmen sollten Nachhaltigkeitsberichte deshalb nicht nur als Dokumentationspflicht verstehen, sondern als Grundlage für ihre gesamte Nachhaltigkeitskommunikation.

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