Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Digitaler Produktpass: Jetzt die Voraussetzungen für die Umsetzung schaffen"
#Wissen
Innovation & Transformation

Digitaler Produktpass: Jetzt die Voraussetzungen für die Umsetzung schaffen

Infos zum Beitrag

Autor:in
Andrés Luna, Julia Jahn
Beitrag vom
04.09.2026
Aktualisiert am
04.09.2026
Lesedauer ungefähr
Minuten
Beitrag teilen

Für viele Unternehmen wirkt der Digitale Produktpass (Digital Product Passport, kurz DPP) noch wie eine Anforderung, die erst in Zukunft relevant wird. Mit dem Start des EU-Registers für den Digitalen Produktpass und der Veröffentlichung erster technischer Standards wird aus der politischen Diskussion jedoch zunehmend ein konkretes Umsetzungsthema.

Für Unternehmen rückt damit eine zentrale Frage in den Vordergrund: Sind die nötigen Produktdaten vorhanden, sind Zuständigkeiten geklärt und passen die Prozesse zu den künftigen Anforderungen?

Was ist der Digitale Produktpass?

Der Digitale Produktpass ist ein zentrales Element der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) und ein wichtiger Baustein des European Green Deal sowie des EU-Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft. Ziel ist es, Produktinformationen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts digital verfügbar zu machen.

Je nach Produktkategorie kann der DPP unter anderem Informationen enthalten zu:

  • Materialien und Inhaltsstoffen
  • Umweltleistung, z. B. dem CO₂e-Fußabdruck
  • Reparierbarkeit
  • Rezyklatanteil
  • Produktherkunft

Die übergeordnete Zielsetzung besteht darin, mehr Transparenz zu schaffen, die Kreislaufwirtschaft zu fördern und verlässliche Informationen für unterschiedliche Stakeholder bereitzustellen – darunter Verbraucher, Behörden, Reparaturbetriebe, Recycler und Geschäftspartner.

Was ist das DPP-Register und warum ist es wichtig?

Das DPP-Register ist die zentrale EU-Infrastruktur zur Verwaltung und Identifikation Digitaler Produktpässe. Es dient als Verzeichnis und verknüpft Produkte über eindeutige Identifikatoren mit ihren jeweiligen Digitalen Produktpässen. Die eigentlichen Produktdaten werden dabei nicht zentral gespeichert. Sie verbleiben in dezentralen Datenbanken, die von Herstellern, Wirtschaftsakteuren oder spezialisierten Dienstleistern betrieben werden.

Damit bildet das Register das Rückgrat des DPP-Ökosystems und schafft die Voraussetzung für eine einheitliche Identifikation, Rückverfolgbarkeit und Marktüberwachung von Produkten innerhalb der EU. Zusammen mit dem künftig verfügbaren DPP-Webportal soll es Nutzern ermöglichen, Produktinformationen europaweit abzurufen und zu verifizieren.

Im Juli 2026 hat die Europäische Kommission das DPP-Register eingeführt. Damit wurde ein wichtiger Meilenstein für die praktische Umsetzung des Digitalen Produktpasses erreicht. Der DPP ist damit nicht mehr nur eine zukünftige regulatorische Anforderung. Schrittweise entsteht eine europaweite Infrastruktur für Transparenz, Rückverfolgbarkeit und den digitalen Austausch von Produktinformationen entlang der Wertschöpfungskette. Die dafür notwendige technische und organisatorische Infrastruktur wird sukzessive aufgebaut und in Betrieb genommen.

Die zentrale Herausforderung: die Datenbereitschaft

Für viele Unternehmen dürfte die größte Herausforderung des DPP nicht in der Erstellung des eigentlichen digitalen Produktpasses liegen, sondern in der Vorbereitung der dafür erforderlichen Daten. Unternehmen benötigen verlässliche und nachvollziehbare Informationen zu Produkten, Materialien, Lieferanten und Nachhaltigkeitsleistungen. In der Praxis sind diese Informationen heute häufig über unterschiedliche Systeme, Abteilungen und Partner entlang der Wertschöpfungskette verteilt.

Entscheidend sind deshalb unter anderem folgende Fragen:

  • Wissen wir, welche produktbezogenen Daten bereits verfügbar sind?
  • Welche Informationen fehlen noch?
  • Wie verlässlich sind die Daten unserer Lieferanten?
  • Wer ist intern für die jeweiligen Daten verantwortlich?
  • Sind unsere bestehenden Systeme auf zukünftige Anforderungen vorbereitet?

Unternehmen, die diese Fragen frühzeitig klären und ihre Datenbasis entsprechend vorbereiten, sind besser aufgestellt, wenn die produktspezifischen Anforderungen schrittweise in Kraft treten.

Wie sollten Unternehmen mit dem DPP beginnen?

Bevor Unternehmen in Softwarelösungen oder technische Systeme investieren, sollten sie zunächst einordnen, wie gut sie bereits auf die zukünftigen DPP-Anforderungen vorbereitet sind. Eine strukturierte Bestandsaufnahme hilft dabei, den aktuellen Stand zu bewerten und wesentliche Handlungsfelder zu identifizieren.

Dazu gehören insbesondere:

  • Datenlücken
  • Compliance-Risiken
  • priorisierte Handlungsfelder

Auf dieser Grundlage lässt sich eine Umsetzungs-Roadmap entwickeln, die sich am tatsächlichen Handlungsbedarf des Unternehmens orientiert.

Unser ESPR- & DPP-Readiness-Check: Vom Status quo zu konkreten nächsten Schritten

Um Unternehmen bei dieser Einordnung zu unterstützen, bieten wir einen ESPR- & DPP-Readiness-Check an. Im Rahmen eines Workshops analysieren wir strukturiert den aktuellen Vorbereitungsstand und bewerten den Reifegrad in zentralen Bereichen wie:

  • Produktdaten
  • Lieferantenintegration
  • Governance-Strukturen
  • interne Prozesse

Das Ergebnis ist eine übersichtliche Ampelbewertung mit konkreten Handlungsempfehlungen und priorisierten nächsten Schritten. So wird sichtbar, wo bereits eine belastbare Grundlage besteht, wo Lücken liegen und welche Themen für die weitere Vorbereitung priorisiert werden sollten.

Der richtige Zeitpunkt für
die Vorbereitung ist jetzt

Der Digitale Produktpass ist keine ferne Zukunftsanforderung mehr. Der regulatorische Rahmen wird zunehmend konkret, gleichzeitig nimmt die technische Infrastruktur Gestalt an und die Anforderungen an transparente Lieferketten steigen.

Unternehmen, die sich bereits heute mit ihren Produktdaten, Prozessen und Lieferketten auseinandersetzen, schaffen Voraussetzungen für die zukünftige Compliance. Gleichzeitig können Sie ihre Datenbasis stärken, die Transparenz entlang der Wertschöpfungskette verbessern und eine Grundlage für nachhaltigere Produkte sowie fundiertere Kunden- und Geschäftsentscheidungen schaffen. Der Digitale Produktpass ist deshalb nicht ausschließlich als regulatorische Verpflichtung zu betrachten. Die Vorbereitung kann auch dazu beitragen, Daten und Prozesse langfristig belastbarer aufzustellen und damit Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit zu stärken.

Möchten Sie wissen, wie gut Ihr Unternehmen auf die Anforderungen von ESPR und Digitalem Produktpass vorbereitet ist? Kontaktieren Sie uns und erfahren Sie mehr über unseren ESPR- & DPP-Readiness-Check.

Zur Leistung

Weitere Beiträge

Klimastrategie & Bilanzierung
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "CO₂-Bilanz erstellt: So leiten Unternehmen Ziele und Maßnahmen ab"
#Wissen

CO₂-Bilanz erstellt: So leiten Unternehmen Ziele und Maßnahmen ab

Die CO₂-Bilanz ist erstellt – doch was folgt daraus? Entscheidend ist, Emissionsdaten nicht nur zu dokumentieren, sondern daraus klare Prioritäten, passende Klimaziele und konkrete Maßnahmen abzuleiten. Im Artikel zeigen wir, welche Schritte Unternehmen dabei helfen, aus Transparenz eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu machen.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Klimaschutzbeiträge glaubwürdig und EmpCo-konform kommunizieren"
#Wissen

Klimaschutzbeiträge glaubwürdig und EmpCo-konform kommunizieren

Mit der EmpCo-Richtlinie verändern sich die Anforderungen an Klimaaussagen deutlich. Der Beitrag zeigt, wie Klimaschutzbeiträge transparent eingeordnet werden können, welche Rolle Contribution Claims spielen und worauf es für eine glaubwürdige Kommunikation künftig ankommt.
Weiterlesen
Bild der Fokus Zukunft Direktorinnen Janina Lang und Lena Scharr.
#Interview

10 Jahre Fokus Zukunft, 5 Fragen an Janina Lang & Lena Scharr

Zum 10-jährigen Jubiläum von Fokus Zukunft sprechen unsere Direktorinnen Janina Lang und Lena Scharr darüber, wie sich Nachhaltigkeit verändert hat, welche Meilensteine das Unternehmen geprägt haben und worauf es in Zukunft ankommt.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "EmpCo-Altbestände: Gibt es eine offizielle Abverkaufsfrist?"
#Wissen

EmpCo-Altbestände: Gibt es eine offizielle Abverkaufsfrist?

Was passiert ab dem 27. September 2026 mit bereits produzierten Waren, Verpackungen und Etiketten, die Nachhaltigkeitsaussagen enthalten? Das CPC Common Understanding gibt Orientierung, wie Behörden mit echten Übergangssituationen umgehen sollen und welche Maßnahmen Unternehmen jetzt prüfen sollten.
Weiterlesen
Klimastrategie & Bilanzierung
#Wissen

CCF softwaregestützt erstellen: Unsere Partnerschaft mit Carbon+Alt+Delete

Fokus Zukunft ist nun Partner von Carbon+Alt+Delete. Was hinter der Zusammenarbeit steckt, warum wir unser Angebot um softwaregestützte CO₂-Bilanzierung erweitern und welchen Mehrwert Sie schafft, lesen Sie im Blog.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Green Claims im DACH-Raum: Was die EmpCo und das Schweizer UWG für Unternehmen bedeuten"
#Wissen

Was die EmpCo und das Schweizer UWG für Unternehmen bedeuten 

Nachhaltig, klimaneutral, CO₂-reduziert – viele vertraute Werbeaussagen werden rechtlich zunehmend riskant. Erfahren Sie, welche Green Claims im DACH-Raum künftig noch zulässig sind, wo sich EmpCo und Schweizer UWG unterscheiden und was Unternehmen jetzt prüfen sollten.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Muss der Nachhaltigkeitsbericht Green Claims/EmpCo konform sein?"
#Wissen

Muss der Nachhaltigkeitsbericht Green Claims/EmpCo konform sein?

Viele Aussagen aus Berichten werden später in anderen Formaten genutzt und können damit unter die Anforderungen der EmpCo fallen. Der Artikel zeigt, warum es nicht reicht, einen Bericht pauschal auf „EmpCo-Konformität“ zu prüfen und wie Unternehmen sich künftig belastbarer aufstellen können.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Nach dem Bericht - diese nächsten Schritte lohnen sich"
#Wissen

Nach dem Bericht – diese nächsten Schritte lohnen sich jetzt

Der Nachhaltigkeitsbericht ist fertig – doch was passiert mit den erhobenen Daten? Wer sie gezielt weiterentwickelt, kann daraus konkrete nächste Schritte ableiten: von Klimastrategie und Product Carbon Footprint über EmpCo-konforme Kommunikation bis hin zu EcoVadis und kommenden Produktanforderungen.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Nachhaltigkeitsbericht fertig – und jetzt? Wie Nutzung echte Wirkung schafft"
#Wissen

Nachhaltigkeitsbericht fertig – und jetzt? Wie Nutzung echte Wirkung schafft

Veröffentlicht, abgelegt, vergessen? Ein Nachhaltigkeitsbericht kann deutlich mehr leisten. Wer seine Inhalte gezielt nutzt, stärkt Kommunikation und Vertrieb, beantwortet Anforderungen schneller und macht Nachhaltigkeit im Unternehmen messbar und weiterentwickelbar.
Weiterlesen