Ein Meilenstein ist erreicht: Die CO₂-Bilanz ist erstellt. Sie zeigt den Status quo der Emissionen und macht sichtbar, wie sich diese auf die einzelnen Emissionsquellen verteilen. Damit ist eine wichtige Grundlage geschaffen.
Doch was folgt daraus?
Der eigentliche Mehrwert der Bilanz entsteht nicht durch Transparenz allein, sondern durch die Entscheidungen und Maßnahmen, die auf ihrer Basis getroffen werden. Entscheidend ist, aus den vorhandenen Daten klare Prioritäten abzuleiten und einen realistischen weiteren Weg zu definieren.
Wie das gelingt, lesen Sie in diesem Blogartikel.
Mit Abschluss der Bilanz verschiebt sich die Herausforderung: Statt Daten zu erheben, geht es nun darum, die Ergebnisse einzuordnen und daraus eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu entwickeln. Welche Fragen dabei im Vordergrund stehen, hängt von der jeweiligen Ausgangssituation des Unternehmens ab.
Zum Beispiel:
Schritt 1: Die Ergebnisse einordnen: Was ist für unser Unternehmen wirklich relevant?
Eine CO₂-Bilanz bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für weitere Maßnahmen und Entscheidungen. Doch nicht jeder Ansatz ist für Ihre individuelle Klimastrategie gleichermaßen relevant. Ein erster Schritt besteht deshalb darin, die Ergebnisse in den Unternehmenskontext einzuordnen.
In diesem Schritt entwickelt sich die Frage „Wo entstehen unsere Emissionen?“ weiter zu: „Welche davon sind für die Dekarbonisierung unseres Unternehmens besonders relevant?“ Diese Einordnung schafft die Grundlage dafür, Ihre Ressourcen nicht nach dem Gießkannenprinzip einzusetzen, sondern dort, wo Handlungsbedarf und Wirkungspotenzial besonders groß sind.
Schritt 2: Klimaziele definieren: Wo wollen wir hin?
Sind die wesentlichen Emissionstreiber und Handlungsfelder bekannt, sollten sich Unternehmen fragen: Wie stark sollen unsere Emissionen sinken und in welchem Zeitraum? Dabei geht es darum, Klimaziele zu definieren, die zur Ausgangslage des Unternehmens, den strategischen Zielen und zur erwarteten Entwicklung passen.
Hilfreich sind unter anderem folgende Fragen:
Reduktionsszenarien können dabei helfen, unterschiedliche Entwicklungspfade sichtbar zu machen. Sie zeigen, wie sich die Emissionen unter verschiedenen Annahmen verändern und welche Lücke zwischen bereits geplanten Maßnahmen und dem angestrebten Ziel verbleibt. Durch Schritt 2 entsteht aus einem allgemeinen Reduktionswunsch ein konkreter Zielrahmen. Es wird sichtbar, welche Maßnahmen grundsätzlich infrage kommen, um Ihre Klimaziele zu erreichen.
Schritt 3: Maßnahmen priorisieren: Was sollten wir zuerst tun?
Spätestens an diesem Punkt entsteht häufig eine lange Liste möglicher Maßnahmen: erneuerbare Energien, Gebäudeeffizienz, Elektrifizierung des Fuhrparks, Anpassungen in der Beschaffung, Zusammenarbeit mit Lieferanten oder Veränderungen an Produkten und Prozessen. Selten haben Unternehmen die Ressourcen, um alle Maßnahmen gleichzeitig umzusetzen. Deshalb gilt es in diesem Schritt, die Maßnahmen zu priorisieren.
Dafür reicht es nicht, ausschließlich auf das theoretische CO₂-Reduktionspotenzial zu schauen. Auch Investitionsbedarf, verfügbare Investitionsmittel, Wirtschaftlichkeit, Umsetzbarkeit, zeitlicher Horizont und Abhängigkeiten können für die Entscheidung relevant sein.
Ein Beispiel:
Der größte Emissionsposten muss nicht automatisch der erste Ansatzpunkt sein
Angenommen, die CO₂-Bilanz eines Unternehmens zeigt, dass rund 70 Prozent der Emissionen in Scope 3 entstehen, insbesondere durch eingekaufte Materialien. Damit ist ein wesentliches Handlungsfeld identifiziert. Es bedeutet jedoch noch nicht automatisch, dass sich dort kurzfristig die wirksamsten Maßnahmen umsetzen lassen.
Vielleicht bestehen langfristige Lieferverträge. Alternative Materialien sind noch nicht in ausreichender Menge verfügbar oder müssten zunächst technisch geprüft werden.
Gleichzeitig zeigt die Bilanz einen kleineren Emissionsanteil in der eigenen Wärmeversorgung. Hier steht ohnehin eine Erneuerung der Anlage an, sodass eine emissionsärmere Lösung kurzfristig umgesetzt und mit einer ohnehin notwendigen Investition verbunden werden könnte.
Die Bilanz zeigt in diesem Fall, wo die größten Emissionen entstehen. Die Priorisierung entscheidet, wo und wann gehandelt werden sollte.
Für die eingekauften Materialien kann beispielsweise ein längerfristiger Transformationspfad mit Lieferanten notwendig sein. Bei der Wärmeversorgung besteht dagegen möglicherweise ein konkretes Entscheidungsfenster, das bereits heute genutzt werden kann.
Schritt 4: Maßnahmen steuern: Verantwortlichkeiten und Steuerung etablieren
Eine Klimastrategie endet nicht mit einem Maßnahmenplan. Damit aus geplanten Maßnahmen tatsächliche Veränderungen entstehen, muss geklärt sein, wer für deren Umsetzung verantwortlich ist, wie Fortschritte gemessen werden und wann Entscheidungen überprüft oder angepasst werden.
Dazu können unter anderem gehören:
Eine CO₂-Bilanz beantwortet eine zentrale Frage: Wo stehen wir heute?
Für die weitere Entwicklung eines Unternehmens sind jedoch zusätzliche Fragen entscheidend:
Wo wollen wir hin? Wo besteht der größte Handlungsbedarf? Welche Maßnahmen sind sinnvoll? Welche Investitionen sind dafür notwendig? Und wie steuern wir die Umsetzung?
Genau hier liegt der Unterschied zwischen reiner Transparenz und strategischer Nutzung von Emissionsdaten.
Der Engpass liegt deshalb häufig nicht allein in der Datenerhebung. Entscheidend ist die Fähigkeit, vorhandene Daten in Prioritäten, Ziele und konkrete unternehmerische Entscheidungen zu übersetzen.
Denn der Mehrwert einer CO₂-Bilanz entsteht letztlich nicht dadurch, dass Emissionen bekannt sind. Er entsteht durch die Entscheidungen und Maßnahmen, die daraus folgen.
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