Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "CCF vs. PCF"
#Wissen
Klimastrategie & Bilanzierung

CCF vs. PCF

Unterschiede, Herausforderungen und Chancen

Infos zum Beitrag

Autor:in
Julia Jahn
Beitrag vom
13.01.2025
Aktualisiert am
13.02.2025
Lesedauer ungefähr
Minuten
Beitrag teilen

„Mit CCF und PCF erkennen Unternehmen gezielt die größten Emissionstreiber und können diese effektiv reduzieren.“

Einführung

Begriffe wie Corporate Carbon Footprint (CCF) und Product Carbon Footprint (PCF) nehmen eine zentrale Rolle bei der unternehmerischen Nachhaltigkeit ein. Aber was bedeuten sie konkret und wie können Unternehmen von den Berechnungen profitieren?

Diese und weitere Fragen haben wir an Jessica Sieber weitergegeben. Als eine unserer Expert*innen im Nachhaltigkeitsbereich liefert sie eine verständliche Einführung und zeigt auf, warum diese Konzepte gerade jetzt so relevant sind.

Was versteht man unter CCF?

Der Corporate Carbon Footprint (CCF), auf Deutsch der CO₂e-Unternehmensfußabdruck, gibt Auskunft über die gesamten Treibhausgasemissionen eines Unternehmens über einen bestimmten Zeitraum, meist ein Jahr. Diese Emissionen entstehen sowohl direkt im Unternehmen, beispielsweise durch Produktionsprozesse und den Firmenfuhrpark, als auch indirekt entlang der Wertschöpfungskette, wie durch die Nutzung von Produkten anderer Unternehmen und deren Entsorgung.

Bei der Berechnung des CCF werden die Emissionen in drei Kategorien, sogenannte Scopes, unterteilt:

  • Scope 1 umfasst alle direkten Emissionen, die aus Quellen innerhalb des Unternehmens stammen, wie z.B. Emissionen aus Firmenfahrzeugen und Heizungsanlagen.
  • Scope 2 beinhaltet indirekte Emissionen aus dem Bezug von Energie, wie Strom und Fernwärme, die außerhalb des Unternehmens erzeugt werden.
  • Scope 3 deckt alle anderen indirekten Emissionen ab, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen, wie z.B. die Emissionen von eingekauften Vorprodukten,

Geschäftsreisen und der Nutzung und Entsorgung von Produkten durch Kund*innen.
Die Berechnung erfolgt nach dem Greenhouse Gas Protocol Corporate Standard, wobei die Emissionen in CO₂-Äquivalente (CO₂e) umgerechnet werden, um eine einheitliche Messgröße für die verschiedenen Treibhausgase zu schaffen.

Was ist ein PCF?

Im Gegensatz dazu konzentriert sich der Product Carbon Footprint (PCF), der CO₂e-Produktfußabdruck, auf die Treibhausgasemissionen einzelner Produkte oder Produktlinien. Hierbei werden die Lebenszyklusphasen betrachtet, die ein Produkt durchläuft: Rohstoffeinkauf, Produktion, Transport, Nutzung und Entsorgung. Anerkannte Standards für die Berechnung des PCFs sind der Greenhouse Gas Protocol Product Life Cycle Accounting and Reporting Standard sowie die ISO14067.

Bei der Berechnung des PCF werden verschiedene Systemgrenzen definiert, um die Emissionen zu erfassen. Die häufigsten Ansätze sind cradle-to-gate und cradle-to-grave:

  • Cradle-to-gate berücksichtigt die Emissionen von der Rohstoffgewinnung bis zum Werkstor.
  • Cradle-to-grave umfasst den gesamten Lebenszyklus eines Produkts, von der Rohstoffgewinnung über die Produktion, den Transport, die Nutzung hin zur Entsorgung.

Als Teil der Systemgrenzen muss auch die sogenannten „funktionelle Einheit“ vorab definiert werden. Die funktionelle Einheit beschreibt den Nutzen des untersuchten Produkts und die Basis, auf die die Ergebnisse des PCF bezogen werden. Beispiele für eine funktionelle Einheit können sein: Eine Flasche Mineralwasser à 500 ml , das 80-malige Tragen eines T-Shirts oder ein Kleinwagen mit 200.000 km Laufleistung.

Zwei PCFs können nur dann miteinander verglichen werden, wenn sie dieselben Systemgrenzen aufweisen.

Herausforderungen bei der Berechnung von CCF und PCF

Eine Hürde, die vielen Unternehmen bei der Berechnung der Bilanzen begegnet, ist die oft schwierige Datenlage. Hier empfiehlt es sich, den Fokus zunächst auf einfach zu beschaffende Daten wie Energierechnungen und Fahrzeugkilometerstände zu legen. Schwierig zu beschaffende Werte können zunächst mithilfe von Annäherungen, z.B. durch monetäre Werte, interner Schätzwerte oder Branchenkennzahlen erfasst werden.
Unternehmen, die sich noch am Anfang ihrer Nachhaltigkeitsreise befinden, empfehlen wir die internen Strukturen für die Datensammlung und -erfassung sukzessive anzupassen, um ihren Aufwand für weitere Bilanzen über die Zeit zu reduzieren. Hierbei stehen wir natürlich beratend zur Seite.

Wie Unternehmen von CCF- und PCF- Berechnungen profitieren

Mit der Berechnung des CCF erhalten Unternehmen eine umfassende Übersicht über die Emissionen ihrer gesamten Wertschöpfungskette. Dort können sie entnehmen, welche Positionen besonders hohe Emissionen, sogenannte Hotspots, aufweisen und gezielt darauf mit Reduktionsmaßnahmen reagieren. Dies ist besonders wichtig für die Entwicklung einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie. Aber auch Stakeholder verlangen immer häufiger eine transparente Ausweisung der entstandenen Emissionen.

Der PCF ermöglicht es, die Emissionen einzelner Produkte zu ermitteln und Produktvergleiche vorzunehmen, sofern die gleichen Systemgrenzen gewählt wurden. Analog zum CCF können der Bilanz auch hier Hotspots entnommen werden. Diese Informationen können in der Entwicklung genutzt werden, um Produkte effizienter und emissionsärmer zu gestalten. Dies kann die Kaufentscheidung von umweltbewussten Kund*innen positiv beeinflussen. Ein weiterer Vorteil des PCFs für Unternehmen ist, dass die Ergebnisse im Nachgang zur Berechnung für Teile des CCFs genutzt werden können. So spart man sich bei der nächsten Bilanz Zeit und Geld.

Zum Fazit
zusammengefasst

Sowohl der Corporate Carbon Footprint (CCF) als auch der Product Carbon Footprint (PCF) sind wesentliche Instrumente, um die Treibhausgasemissionen eines Unternehmens bzw. seiner Produkte zu messen.

Während der CCF eine ganzheitliche Betrachtung der CO2e-Emissionen eines Unternehmens ermöglicht, bietet der PCF detaillierte Einblicke in die Treibhausgas-Emissionen einzelner Produkte oder Produktlinien. Da die Erstellung dieser Bilanzen für Unternehmen herausfordernd und zeitaufwändig sein kann, kann eine gezielte Beratung hilfreich sein.

Fokus Zukunft bietet eine umfassende Hilfestellung bei der Datenerfassung, um den Zeitaufwand für das Unternehmen so gering wie möglich zu halten. Mit bewährten Methoden, Standards, Tools und Datenbanken werden präzise Bilanzen erstellt. Darüber hinaus bieten wir gezielte Beratung zu Reduktionsstrategien an.

Weitere Beiträge

Nachhaltigkeitsberichterstattung
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "VSME auf einen Blick: Der einfache Einstieg ins Nachhaltigkeitsreporting"
#Wissen

VSME auf einen Blick: Der einfache Einstieg ins Reporting

Sie fragen sich, ob und wie Sie strukturiert in die Berichterstattung starten sollten? Unser kompakter VSME-Überblick liefert genau die Antworten: Was hinter dem Standard steckt und wie Sie davon profitieren. Plus: Wie wir Sie konkret bei der Umsetzung unterstützen.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Green Claims: Von der Pflicht zur Möglichkeit"
#Wissen

Green Claims: Von der Pflicht zur Möglichkeit  

Green Claims sind mehr als eine regulatorische Pflicht. Richtig eingesetzt können sie zum strategischen Instrument für Markenführung, Vertrauen und Differenzierung werden. Warum glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation heute über Marktpositionierung entscheidet, zeigt dieser Beitrag.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Bild von Christina Schäferkord während eines Vortrags.
#Interview

5 Fragen an… Christina Schäferkord zum Thema EmpCo

Im Rahmen unseres Fokusmonats „Green Claims im neuen Rechtsrahmen – Compliance erfüllen, Marke schärfen“ sprechen wir mit Christina Schäferkord. Im Interview erklärt sie, warum die EmpCo-Richtlinie die Spielregeln der Nachhaltigkeitskommunikation verändert – und was jetzt entscheidend ist.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Greenwashing erkennen und vermeiden"
#Wissen

Greenwashing erkennen und vermeiden

Unternehmen stehen unter Druck, ihre Nachhaltigkeitsleistung transparent zu zeigen – ohne rechtliche Risiken einzugehen. Welche Fehler besonders häufig sind und wie Sie diese vermeiden, lesen Sie in unserem aktuellen Beitrag.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsstrategie
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "PPWR - Das neue Verpackungsgesetz kommt"
#Wissen

PPWR – Das neue Verpackungsrecht kommt  

Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) bringt verbindliche Vorgaben zu Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz und Mehrwegquoten. Ab August 2026 entsteht konkreter Handlungsbedarf für Hersteller, Erzeuger und Lieferanten. Welche Anforderungen gelten und wie Unternehmen sich jetzt strategisch aufstellen sollten, erfahren Sie im Beitrag.
Weiterlesen
Kommunikation & Marke
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "EmpCo & Green Claims Directive"
#Wissen

EmpCo & Green Claims Directive

Durch die EmpCo gelten ab September 2026 strengere Vorgaben für die Kommunikation von Nachhaltigkeit, die Transparenz einfordern und Greenwashing konsequent einschränken. Erfahren Sie, was sich ändert, wie sich die EmpCo von der Green Claims Directive unterscheidet und warum Unternehmen, die es ernst meinen, jetzt die Chance haben, sich glaubwürdig zu positionieren.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsstrategie
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Checkliste: Durchführung einer Klimarisikoanalyse"
#Wissen

Checkliste: Durchführung einer Klimarisikoanalyse

Möchten Sie die Klimarisikoanalyse Ihres Unternehmen vorbereiten? Unsere praxisnahe Checkliste unterstützt Sie dabei, zentrale Grundlagen zu strukturieren – von Verantwortlichkeiten über die Auswahl relevanter Klimaszenarien bis hin zur Einordnung der Ergebnisse.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsstrategie
Bild von Sibylle Zavala während eines Vortrags.
#Interview

4 Fragen an… Sibylle Zavala zum Thema Klimarisikoanalyse

Im Rahmen unseres Fokusmonats „Chancen durch Klimarisikoanalyse“ haben wir mit Sibylle Zavala gesprochen. Im Interview erklärt sie, worauf es bei der Klimarisikoanalyse ankommt, welche Herausforderungen Unternehmen dabei begegnen und wie sich Chancen und Risiken auch strategisch nutzen lassen.
Weiterlesen
Nachhaltigkeitsstrategie
#Impuls

The most painful state of being is remembering the future…

– S. Kierkegaard
Nachhaltigkeitsstrategie
Headerbild für den Wissensbibliothek-Artikel "Wie Unternehmen ihre Klimarisiken analysieren und Resilienzen bewerten können"
#Wissen

Wie Unternehmen ihre Klimarisiken analysieren und Resilienzen bewerten können

Wer die TCFD-Methodik versteht und anwendet, kann Klimarisiken frühzeitig erkennen, regulatorische Anforderungen erfüllen und strategische Entscheidungen auf einer belastbaren Datenbasis treffen. Der Blog zeigt, wie das konkret gelingt – Schritt für Schritt von der Szenarioanalyse bis zur Resilienzbewertung.
Weiterlesen