#Interview
Klimastrategie & Bilanzierung

6 Fragen an… Christine Madersbacher zum Thema Klima- & Reduktionsstrategie

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Autor:in
Christina Schäferkord, Christine Maderspacher
Beitrag vom
14.07.2025
Aktualisiert am
14.07.2025
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„Eine Klimastrategie ist kein einmaliges Projekt, das schnell abgeschlossen ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess.“

Im Rahmen unseres Fokusmonats Startpunkt Klimastrategie haben wir mit Christine Maderspacher, Senior Nachhaltigkeitsberaterin bei Fokus Zukunft, gesprochen. Sie und das Team begleiten Unternehmen aus dem Mittelstand auf dem Weg zu klimabewusstem Wirtschaften – von der CO₂-Bilanzierung über die Strategieentwicklung bis hin zur konkreten Maßnahmenplanung. Im Interview erklärt sie, worauf es bei einer wirksamen Klimastrategie wirklich ankommt, welche Rolle Energieeffizienz dabei spielt und wie Unternehmen systematisch Emissionen reduzieren können.

Viele Unternehmen haben bereits eine grobe Vorstellung von Klimaschutz. Was macht aus deiner Sicht eine wirklich wirksame und zugleich umsetzbare Klimastrategie aus?

Am Anfang steht immer die Analyse der Ist-Situation. Dafür werden Zahlen und Daten aus allen Bereichen des Unternehmens zusammengetragen, um daraus die entsprechenden CO₂-Emissionen abzuleiten. Diese Bilanzierung dient als Basis für die Klimastrategie. Daher ist es enorm wichtig, dass die Bilanz auf validen Daten basiert und auch sämtliche Unternehmensbereiche mit einbezieht. Erst dann bekommt man ein aussagekräftiges Bild über die größten Treiber und damit auch die größten Einsparpotenziale der CO₂-Emissionen im Betrieb.

Im Zuge einer Klimastrategie werden im nächsten Schritt Einsparziele definiert und die damit verbundenen Maßnahmen erarbeitet. Wichtig ist, dass man hierbei langfristig denkt und handelt. Eine Klimastrategie ist kein einmaliges Projekt, das schnell abgeschlossen ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Wo liegen die größten ungenutzten Potenziale zur Emissionsminderung durch Energieeffizienz in mittelständischen Unternehmen?

Das ist sehr stark von der Branche abhängig. Das produzierende Gewerbe hat oft einen enormen Strom- oder Gasverbrauch für den Betrieb von Anlagen und Maschinen. Dort ist der Hebel für Einsparungen natürlich am größten. Der schnellste Weg ist die Umstellung auf Ökostrom, um die Emissionen zu reduzieren. Der Stromverbrauch bleibt dadurch aber trotzdem hoch. Hier kann mit einer Betriebsoptimierung Energie- und damit auch Geld eingespart werden.

Bei Dienstleistungsunternehmen sieht es oft ganz anders aus. Hier können auch Geschäftsreisen oder das Pendeln der Mitarbeitenden einen Großteil der Unternehmens-Emissionen verursachen. Hier muss man dann ein Bewusstsein für den Einfluss der Mitarbeitenden schaffen, um einen Wandel zu bewirken.

Welche externen Hebel spielen eine zentrale Rolle in der Reduktionsstrategie – zum Beispiel entlang der Lieferkette oder bei der Zusammenarbeit mit Partnern?

Neben den Emissionen aus Energie- und Kraftstoffverbrauch analysieren wir im Zuge einer CO₂-Bilanz auch die vor- und nachgelagerten Prozesse und deren Emissionen – also solche, die außerhalb des direkten Einflussbereichs des Unternehmens entstehen. Dazu zählen zum Beispiel Logistik, eingekaufte Waren und Dienstleistungen, aber auch die Emissionen, die durch die Nutzung und Entsorgung der verkauften Produkte entstehen. Die Datenerfassung zur Bilanzierung ist erst mal für viele Unternehmen gar nicht so einfach und ziemlich aufwändig. Hier unterstützen wir unsere Kunden und versuchen, einen pragmatischen Ansatz zur Datenerfassung zu finden.

Die Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden, sind jedoch sehr wertvoll. So können beispielsweise CO₂-Treiber auf einzelnen Logistikrouten, bei den Rohstoffen oder auch bei der späteren Entsorgung der Produkte identifiziert werden. Will ein Unternehmen die Emissionen seiner Produkte genauer analysieren und optimieren, gibt es hierzu auch Möglichkeiten.

Wie funktioniert eine CO2-Analyse für Produkte?

Hierfür werden die CO₂-Emissionen entlang des Produktlebenszyklus analysiert. Diese Betrachtung nennt man Product Carbon Footprint (kurz PCF). Ein vollständiger PCF beginnt bei der Rohstoffgewinnung und endet bei der Entsorgung (von der Wiege bis zur Bahre). Je nach Fragestellung oder Randbedingungen kann auch nur eine partielle Betrachtung, also z. B. nur bis zum Werkstor, durchgeführt werden. Je nach Produkt macht es Sinn, auch die Funktion mit einzubeziehen. Für die definierte Bilanzgrenze werden sämtliche Daten zu Material- und Energieflüssen erfasst und die entsprechenden CO₂-Emissionen ermittelt.

Möchte ein Unternehmen Produktvarianten selbst bilanzieren, kann dafür auch ein individueller CO₂-Kalkulator erstellt werden. Dieser wird für die speziellen Anforderungen und Randbedingungen entwickelt und kann sowohl bei der Produktentwicklung als auch bei der Kommunikation zum Endkunden zum Einsatz kommen.

Welche Rolle spielt Fokus Zukunft in diesem Prozess? Wie unterstützt euer Team Unternehmen dabei konkret?

Wir sind bei diesem Prozess ständiger Begleiter und Berater. Wir unterstützen zu Beginn bei der Zieldefinition und dem passenden Umfang. Ist klar, welche Bereiche und Kategorien des Unternehmens oder des Produkts betrachtet werden sollen, steht die Erfassung der relevanten Daten an. Je nach Branche und Unternehmensgröße oder eben auf Produktebene, kann das eine wirkliche Herausforderung sein. Hier stehen wir mit Rat und Tat zur Seite und suchen gemeinsam mit dem Unternehmen pragmatische Ansätze für die teils großen und komplexen Datenmengen.
Nach Abschluss der Bilanz analysieren wir die Ergebnisse und machen Vorschläge zum weiteren Vorgehen. Hier können manchmal schon konkrete Hinweise auf Einsparpotenziale abgeleitet werden. Es kann auch gemeinsam eine Reduktionsstrategie erarbeitet werden. Hier kontrollieren wir den Erfolg durch regelmäßige Re-Bilanzierungen. Generell sind wir für unsere Kunden ständiger Ansprechpartner für alle Fragestellungen rund um die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz und versuchen immer, pragmatische und zielführende Lösungen zu finden.

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