Warum die Methode über die Aussagekraft Ihrer CO₂-Bilanz entscheidet
Eine CO₂-Bilanz zeigt nicht nur, wie hoch Emissionen sind. Ihre Berechnungsmethode entscheidet auch darüber, wie gut sich daraus konkrete Reduktionsmaßnahmen ableiten lassen.
Wie aussagekräftig eine CO₂-Bilanz ist, hängt nicht nur davon ab, welche Emissionsquellen berücksichtigt werden. Ebenso entscheidend ist, wie diese Emissionen berechnet werden.
Ein Grund dafür liegt häufig in der Berechnungsmethode. Das zeigt sich besonders bei Scope 3.1 – eingekaufte Güter und Dienstleistungen. Hier können Emissionen beispielsweise über Einkaufswerte oder über tatsächlich eingekaufte Mengen und spezifischere Emissionsfaktoren ermittelt werden. Für den Corporate Carbon Footprint macht das nicht nur beim Ergebnis einen Unterschied, sondern vor allem bei der Frage, was sich anschließend daraus ableiten lässt.
Bei der monetären beziehungsweise Spend-based-Methode werden die Ausgaben eines Unternehmens mit durchschnittlichen Emissionsfaktoren für bestimmte Warengruppen oder Branchen verknüpft.
Vereinfacht: Einkaufswert × Emissionsfaktor pro Euro = CO₂e-Emissionen
Die Methode hat einen praktischen Vorteil: Einkaufsdaten sind in Unternehmen häufig bereits verfügbar und strukturiert. Dadurch lassen sich auch große Einkaufsvolumina vergleichsweise effizient erfassen.
Bei einer aktivitätsbasierten Berechnung wird dagegen stärker darauf geschaut, was tatsächlich eingekauft wurde.
Die Berechnung kann beispielsweise auf folgenden Daten basieren:
Diese Mengen werden mit passenden Emissionsfaktoren kombiniert. Je nach Datenverfügbarkeit können dabei Durchschnittswerte, materialspezifische Faktoren oder konkrete Produktdaten von Lieferanten genutzt werden.
Der wesentliche Unterschied lautet damit: Die monetäre Methode verknüpft Emissionen mit Geld. Die aktivitätsbasierte Methode verknüpft sie stärker mit den tatsächlich eingekauften Produkten und Mengen.
Ein Smartphone, zwei Ergebnisse
Ein vereinfachtes Beispiel zeigt, wie deutlich sich das auswirken kann.
Ein Unternehmen kauft ein Mobiltelefon für 1.000 Euro.
Monetärer Ansatz
Einkaufswert: 1.000 Euro
Beispielhafter Emissionsfaktor für Elektronikgeräte: 0,12 kg CO₂e/Euro
Ergebnis: 120 kg CO₂e
Aktivitätsbasierter Ansatz
Eingekaufte Menge: 1 Stück
Produktspezifischer Emissionsfaktor: 60 kg CO₂e/Stück
Ergebnis: 60 kg CO₂e
Im Beispiel liegt das bilanzierte Ergebnis der aktivitätsbasierten Berechnung damit 50 Prozent niedriger.
Das bedeutet nicht, dass aktivitätsbasierte Berechnungen grundsätzlich zu niedrigeren Ergebnissen führen. Bei einem anderen Produkt kann es genauso umgekehrt sein.
Das Beispiel zeigt vielmehr das Problem von Durchschnittswerten: Der Preis eines Produktes sagt nur bedingt etwas über dessen tatsächliche Emissionen aus. Wird das Smartphone beispielsweise teurer, steigen bei einer monetären Berechnung auch die bilanzierten Emissionen – selbst wenn sich Material, Herstellung und tatsächlicher Product Carbon Footprint überhaupt nicht verändern.
Gleichzeitig können Unterschiede zwischen Produkten, Materialien oder Lieferanten durch Durchschnittsfaktoren geglättet werden.
Für eine erste Einordnung kann das ausreichen. Möchte ein Unternehmen jedoch seine Emissionen gezielt reduzieren, muss es wissen, wodurch sie entstehen.
Eine monetäre Bilanz kann beispielsweise zeigen: Warengruppe A verursacht einen großen Anteil unserer Scope-3-Emissionen.
Für konkrete Maßnahmen braucht es aber Antworten auf andere Fragen:
Diese Fragen lassen sich mit reinen Einkaufswerten nur eingeschränkt beantworten.
Genau deshalb stößt eine rein monetäre Scope-3-Bilanzierung als alleinige Datengrundlage an Grenzen, wenn darauf weitere Schritte aufbauen sollen, zum Beispiel:
Je stärker eine CO₂-Bilanz also zur Steuerung genutzt werden soll, desto wichtiger wird die Verbindung zwischen Emissionen und den tatsächlichen Produkten, Materialien und Prozessen.
Das macht die monetäre Bilanzierung nicht grundsätzlich schlechter.
Sie kann ein pragmatischer Ansatz sein, beispielsweise:
Entscheidend ist, bei den Hauptemittenten nicht beim monetären Wert stehenzubleiben, wenn mit der Bilanz später Dekarbonisierung gesteuert werden soll.
Welche Datentiefe an welcher Stelle sinnvoll ist, haben wir in unserem Beitrag „Nicht jede CO₂e-Frage braucht dieselbe Datentiefe“ ausführlicher eingeordnet.
Bei Fokus Zukunft bieten wir sowohl monetäre als auch aktivitätsbasierte Berechnungen an. Denn nicht jedes Unternehmen startet am selben Punkt.
Unser Qualitätsanspruch beginnt deshalb nicht damit, immer die aufwendigste Methode einzusetzen. Er beginnt damit, bereits bei der Bilanzierung mitzudenken, wofür die Ergebnisse später genutzt werden sollen.
Deshalb wählen wir die Berechnungsmethode passend zur Ausgangslage und Zielsetzung des Unternehmens. So entsteht eine Bilanz, die den aktuellen Bedarf abdeckt und gleichzeitig anschlussfähig bleibt, wenn sich die Anforderungen weiterentwickeln.
Monetäre Bilanzierung kann schnell Orientierung schaffen. Für weniger relevante Kategorien kann sie deshalb eine sinnvolle und effiziente Lösung sein.
Bei den Hauptemittenten reicht der Blick auf Einkaufswerte jedoch häufig nicht aus, wenn aus der Bilanz konkrete Reduktionsmaßnahmen entstehen sollen.
Wer Dekarbonisierung aktiv steuern möchte, muss nicht nur wissen, wie hoch die Emissionen sind, sondern auch, was sie verursacht und wodurch sie sich verändern lassen. Genau dafür braucht es Aktivitätsdaten.
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